Den Spruch, Pläne nur mit Bleistift zu zeichnen um später noch daran radieren zu können, haben wir uns seit den Jahren, die wir nun auf Reisen sind, speziell zu Herzen genommen.
Wieder einmal bewahrheitet sich diese Weisheit in der Türkei, in Istanbul, denn hier erhalten wir den schriftlichen Bescheid unserer Versicherung, entgegen aller vorherigen Versprechen doch nur für einen Bruchteil der Kosten einer Entbindung in Griechenland aufzukommen und nur in Österreich die gesamten Kosten zu übernehmen. Ob dies einen Verstoß gegen die Dienstleistungsfreiheit der EU bedeutet, können (und wollen) wir nicht eindeutig feststellen. Definitiv bedeutet dieser Bescheid jedoch das Ende unserer Reise, denn selbst in der günstigsten Krankenhausklasse würde eine Entbindung ohne Komplikationen mehrere tausend Euro kosten. Bliebe nur die aus Filmen bekannte Variante mit heißem Wasser und sauberen Tüchern. Doch ist diese natürlich risikoreich und wir uns auch nicht ganz im Klaren darüber: wofür die Tücher?
Ein kurzer Blick auf die Landkarte und einer auf meinen rapide wachsenden Bauchumfang genügen, um uns über unsere Entscheidungsmöglichkeiten klar zu werden: Flug oder Zug. Und somit sitzen wir schon am selben Abend eingezwängt zwischen unseren Rädern im Zugabteil. Gepäckabteil gibts keines, aber nicht nur die Schaffner haben Mitleid mit einer schwangeren Frau und lassen uns zusteigen. Selbst die unangenehmen Schlägertypen in Bulgarien, die sich als Zugbegleiter ausgeben um Geld zu kassieren, werden etwas freundlicher als sie den Babybauch bemerken.
Unsere Gedanken während der 36stündigen Fahrt haben wenig mit der bevorstehenden Heimkehr zu tun. Zu unglaubhaft ist es für uns nach fast vier Jahren so schnell und unerwartet in die Heimat zurückzukehren. Heute Morgen noch vor Öffnen des Versicherungsbescheids lag Österreich schließlich noch zu fern, um sich mit konkreten Heimkehrgedanken auseinanderzusetzen.
Nicht nur geistig treten wir die Reise völlig unvorbereitet an, auch materiell, denn wir haben absolut nichts zu Essen dabei. Während in asiatischen Zügen von Souvenirs über Essen bis zur Bekleidung so gut wie alles gekauft werden kann, sind auf dieser Zugstrecke sowohl die Züge als auch die Bahnhöfe gespenstisch verlassen. So drehen sich unsere Gedanken ums Essen: “Welcher Supermarkt wird wohl der erste sein, den wir zu Gesicht bekommen? Lieber Extrawurstsemmerl mit Gurkerl oder Leberkäse? Unbedingt Schwarzbrot! Vanille- oder Marmeladekrapfen? - oder beides?…” Fast zaghaft erinnern sich unsere Gehirne anfangs an all die österreichischen Leckereien - glauben können sie es wohl erst, wenn der erste Bissen im Mund ist.
Ein Rütteln an der Kabinentür weckt uns schließlich aus unseren Träumereien. “Morgen, Polizei - Ausweiskontrolle!” ertönt eine strenge Stimme. Verzückt von den ersten “österreichischen” Worten blicken wir den Beamten strahlend an. Verdutzt betrachtet er die mit Rädern und Taschen vollgestopfte Kabine und die abgegriffenen, vollgestempelten Pässe.
In Wien, am Westbahnhof, packen wir die Taschen wieder auf die Räder. Um den Kulturschock besser zu verdauen wollen wir die Strecke von Wien bis nach Hause auf jeden Fall noch in gemütlichem Tempo radeln, auch wenn wir nach der warmen Türkei nicht allzu viel zum Anziehen dabeihaben.
Vieles ist uns - so versichern uns die Zugverspätungsdurchsagen der ÖBB - noch vertraut, aber so manches haben wir vergessen, beziehungsweise sehen es nun mit anderen Augen. Die Schönheit der Häuser, Städte, Dörfer und Kirchen zum Beispiel, die tollen Radwege und die verschwenderische Auswahl in den Geschäften erstaunen uns. Die so menschenleeren Strassen und stillen Ortschaften verunsichern uns. Und all die Informationsflut - die Plakate und Leute um uns, die wir plötzlich alle verstehen können, lenken uns ab.
Die ersten Gespräche mit neugierigen Passanten, die sich über unser vieles Gepäck wundern, sind ebenfalls ungewohnt. Auf die Frage woher wir kommen zum Beispiel geben wir wie seit Jahren gewohnt die Antwort “Österreich” und ernten komische Blicke. Beim zweiten Gespräch nennen wir unseren Heimatort St. Valentin (circa 150 Kilometer von Wien entfernt), worauf die Dame meint “Wow - und das alles mit dem Fahrrad - da müsst ihr ja schon viel erlebt haben!” - Wie recht diese Frau hat!

herzliche grüsse nach st. valentin!!!
Kommentar von franz hartlieb — 3.1.2009 @ 18:58ich habe eure tour mit begeisterung verfolgt und möchte euch einfach alles gute wünschen…
grüsse aus gerlamoos
hallo birgit und martin!
Kommentar von petra und ollie — 7.1.2009 @ 9:35jetzt haben wir auch seit ewigen zeiten eure website gelesen und das tolle babyfoto gesehen!!!!
wunderschön…und wie gesagt, unseren respekt!
alles liebe aus dem ländle,
petra und ollie
Hi … hör euch gerade auf fm4 und hab mir sofort eure seite angeschaut … wau - sehr geil … bin begeistert … alles liebe!!!
Kommentar von doris — 16.1.2009 @ 20:37Hallo Birgit! Hallo Martin!
Kommentar von e.lacherstorfer — 26.1.2009 @ 23:25Als Freunde der Aigenbauer Eltern haben wir diese immer nach Neuigkeiten gelöchert.
Haben aus der Zeitung von eurer überraschenden Heimkehr gelesen. Nun wünschen
wir Euch alles gute für euer baby, vielleicht treffen wir uns zufällig einmal in
St. Valentin, oder in Bad Hall, wenn ihr mit oma und opa die Therme besucht.
Herzlliche grüße
Franz u Elfriede Lacherstorfer
Hallo ihr beiden,
hab hin und wieder mal bei Euch vorbei geschaut und war immer völlig verblüfft über Euch.
Eure Geschichte zu verfilmen wäre der Knaller.
Schön dass Ihr wieder heil zu hause seid.
Wünsche Euch alles Gute mit dem Baby.
Schöne Grüße an Mama (Kollegin vom Englischkurs)
Kommentar von Gerti — 3.2.2009 @ 22:10LG Gerti
Hi Birgit und Martin!
Kommentar von Tobias Reichmuth — 8.2.2009 @ 12:54Gerade eben hab ich’s gelesen: Herzliche Gratulation und alles Gute! Ist schon mehr als ein Jahr her seit wir uns in Gyantse, Tibet, getroffen haben (http://www.panmundo.com/world-trip/roadbook-singleview/blog/a-new-definition-of-adventure/3/). Ich bin richtig stolz Euch getroffen zu haben - und solltet Ihr mal nach Zürich radeln wollen: Ihr seid mir herzlich willkommmen!
Meine Heimreise durch das winterliche Sibirien war sehr schön - und ausser einem platten Reifen bei -35 Grad problemlos… Aber da habt Ihr härteres durchgemacht! Es würde mich freuen Euch bald mal zu sehen!
Herzlicher Gruss,
Tobias