Was macht man ohne Karaokebar?

Samstag, 25. August 2007 @ 23:45 von Birgit | Hongkong, China

Fast täglich lernen wir Leute kennen, die interessiert sind an unserer Art zu Leben oder an der Art, wie Menschen in Österreich, Europa, … leben.

Oft bekommen wir recht interessante oder lustige Fragen gestellt, wie zum Beispiel gestern: da fragte mich eine Chinesin ganz erstaunt, was wir denn mit unserer Freizeit anfangen, wenn es bei uns in Österreich keine mehrstöckigen Karaokebars mir hunderten Räumen zum Singen gibt…

Viele Fragen – speziell zu unserer Radreise – wurden uns aber schon mehrmals gestellt und so möchten wir im folgenden einige der meistgestellten beantworten.

 

Warum reist ihr mit dem Fahrrad?

Diese Frage stellen sich vor allem viele Leute hier in Asien, denn das Fahrrad gilt bei ihnen noch als Verkehrsmittel der Armen.

Man sieht die Landschaft einfach viel besser als vom Busfenster aus, hat die Freiheit jederzeit zu stoppen oder abzubiegen, wenn man Lust dazu hat. Man reist nicht nur von A nach B sondern wegen der Strecke dazwischen und kommt durch die etwas ungewöhnlich aussehenden Fahrräder auch schnell mit Leuten ins Gespräch,… Und außerdem: uns macht Radfahren Spass.

 

Wieviele Kilometer legt ihr pro Tag zurück?

Das kommt natürlich ganz auf den Streckenabschitt, unsere Verfassung,… an. Aber meist gelingt es uns, langsam zu fahren. ;-) Denn auf einer Reise zählt ja nicht die zurückgelegte Distanz, sondern die Tiefe des Erlebten.

Oder wie es der Journalist und Motorradreisende Ted Simon in seinem Buch “Jupiters Fahrt” schreibt:

In diesen Tagen ist es keine Affäre, um die Welt zu reisen, denn wenn man eine Menge Geld bezahlt, kann man in weniger als achtundvierzig Stunden ohne Aufenthalt um sie herumfliegen, aber um sie kennenzulernen, sie zu riechen und zwischen den Zehen zu spüren, muß man kriechen. Es gibt keine andere Möglichkeit. Weder fliegen noch auf dem Wasser treiben. Man muß auf dem Erdboden bleiben und die Insekten schlucken, während man sich fortbewegt. Dann ist die Welt von immenser Größe.

 

Warum soviel Gepäck?

Tatsächlich haben wir noch keinen anderen Reiseradler getroffen, der soviel Gepäck hatte wie wir. Wahrscheinlich liegt dies wohl daran, das wir Zelt, Kocher und Lebensmittel im Gegensatz zu vielen Radfahrern immer mit dabei haben. Auch Ersatzteile, denn wir nutzen jede der wenigen Gelegenheiten zum Aufstocken aus und schleppen so Vieles tausende Kilometer mit. Die Winterausrüstung, die speziell vor Sibirien sehr umfangreich war, drückt dann auch noch einige Kilogramm auf die Waage.

Vielleicht sollten wir auch die Diafilme erwähnen – 200 Stück im Ganzen. Und den Walkman mit ca. 20 Kassetten.

Dann wären da noch circa 30 Bücher, Ping Pong- und Badmintonschläger, Brettspiele, Gummistiefel, ein Regenschirm, …

 

Wohin gehts als nächstes?

Nach Rom, denn dort führen, wie ein Sprichwort bekanntlich besagt, alle Wege hin. Also brauchen wir uns über die Streckenplanung auch keine Gedanken machen. Und von Rom ist es ja dann nicht mehr weit nach Hause.

 

Wie lange wollt ihr Radreisen?

Bis wir keine Lust mehr dazu haben.

 

Heimweh?

Die Welt ist unser zu Hause und es gibt selten einen Platz, an dem wir uns “fremd” fühlen.

 

Wieviel Geld braucht man für so eine Reise? (… mit Sicherheit die meistgestellte Frage)

Das kommt natürlich ganz auf den Lebens- und Reisestil an. Die meisten anderen Radler, die uns auf Reisen begegnet sind, brauchen wohl mehr Geld als wir. Speziell in China kann man sehr lange auch von geringen Ersparnissen leben.

Ist kein Geld mehr übrig, bedeutet das für uns nicht das Ende der Reise, da man ja auch unterwegs Arbeit finden kann. Wir sehen dies nicht als eine störende Unterbrechung unserer Reise an sondern als eine Chance, ein Land aus einer anderen Perspektive kennen zu lernen.

 

Hattet ihr Krankheiten auf der Reise und was macht ihr dann?

Natürlich plagte uns, wie jeden Langzeitreisenden, schon der eine oder andere Durchfall. Aber wenn man am eigenen Leibe verspüren durfte, wie Durchfall bei Minus 40 Grad ist, findet man Durchfall “unter normalen Bedingungen” nicht mehr so schlimm.

Sonst hatten wir bis auf gelegentliches hohes Fieber keine Probleme. Wir hatten jedesmal genug Nahrungsmittel und Wasser, um bis zur Genesung zu campieren und haben auch Medikamente dabei.

 

Wo schlaft ihr?

Immer im Freien, auch in Städten, außer wir werden eingeladen. Wir haben erst zwei Mal auf der ganzen Reise für eine Übernachtung in einer Unterkunft bezahlt und dies nur, weil wir für Behördengänge eine Hotelregistrierung brauchten.

Für viele ist dies unvorstellbar, doch unserer Meinung nach hat das Leben im Freien zahlreiche Vorteile: man nimmt seine Umgebung viel besser war, weil man nicht durch dicke Wände isoliert von seiner Umwelt ist und erlebt so auch das eine oder andere interessante Ungeplante. Man hat die Freiheit, zu bleiben, wo immer ein freier Fleck zum Schlafen ist und muss nicht extra Zeit aufbringen, nach einem Zimmer zu suchen. Und außerdem spart man sich natürlich viel Geld.

 

Was esst ihr auf Reisen?

Wir versuchen uns ähnlich zu ernähren wie die einfachen Leute im jeweiligen Land. Meist kochen wir selbst (Martin ist ein exzellenter Koch!), wenn wir preisgünstige Restaurants sehen, gehen wir aber auch öfters Essen.

 

Wie hält eure Ausrüstung den Belastungen stand?

Wir haben auf der Reise gelernt, vieles selbst zu machen und können so die meisten defekten Dinge reparieren oder neue anfertigen. Auf so einer langen Fahrt geht aber natürlich einiges kaputt beziehungsweise verschleißt.

 

Hattet ihr gefährliche Erlebnisse?

Am gefährlichsten ist wohl der Straßenverkehr für uns. Wir hatten auch negative Begegnungen mit Leuten mit Waffen,… aber bis jetzt ist alles gut ausgegangen und was in der Erinnerung bleibt, sind ein paar spannende Geschichten.

Dieser Beitrag wurde vor 2 Jahren 11 Monaten 1 Woche 2 Tagen - am Samstag, 25.8.2007 um 23:45 - von Birgit erstellt und kann in folgenden Kategorien gefunden werden: Tagebuch. Du kannst die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 verfolgen. Weiter unten kannst du uns einen Kommentar hinterlassen oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.

2 Kommentare »

  1. Bin einfach nur beeindruckt!! Freu mich immer auf Eure Berichte!!!!
    Alles Gute weiterhin!!
    LG Dani

    Kommentar von Schoisn — 6.9.2007 @ 9:48
  2. Hallo!

    Sind diese Einträge von Freunde aus der Heimat oder geht ihr ins Internet Cafe um diese Einträge zu schreiben?

    Doch echt beeindrucken soviel km zurück zu legen, andere fahren mit den Zug diese Strecke ihr mit den Fahrrad…

    Grüße aus dem Norden ^^

    Kommentar von Artem — 14.1.2008 @ 23:41

Kommentare als RSS | TrackBack-URI

Einen Kommentar hinterlassen

Hier kannst du deine Meinung zu diesem Artikel hinterlassen. Deine Emailadresse wird natürlich nicht veröffentlicht. Zeilen- und Absatzumbrüche im Kommentarfeld werden automatisch verarbeitet.

Dein Kommentar:

Achtung! Es kann sein, dass dein Kommentar hier nicht gleich erscheint, da er auf der Warteliste gelandet ist und erst vom Administrator freigegeben werden muss (mögliche Gründe: eingeschaltete Moderation bzw. Kommentar als Spam gedeutet). In einigen Stunden oder auch Tagen wird der Kommentar dann veröffentlicht. Der Administrator behält sich vor, Spam, Trollbeiträge oder ähnliches einfach zu löschen.