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Visa und Einreisebestimmungen
Tibet ist zur Zeit nicht uneingeschränkt bereisbar, zum gültigen Chinavisum (reist man von Nepal ein, braucht man ein Gruppenvisum, welches in Kathmandu erhältlich ist - jedes andere gültige Chinavisum im Pass wir dann einfach als ungültig abgestempelt!) braucht man je nach Reiseziel noch einige Genehmigungen.
Da wäre zum Beispiel zu allererst die Genehmigung des TTB (Tibet Tourism Bureau), welche man über Reisbüros erhält. Diese Papiere bestätigen, das man eine Gruppenreise gebucht hat, Individualreisen sind ja verboten. Man kann diese Genehmigung bei vielen Reisebüros auch kaufen, ohne wirklich eine Tour gebucht zu haben, dann ist das TTB aber entsprechend teuer. Mit diesen Papieren kann man zum Beispiel das Flugticket nach Tibet kaufen und gewisse “offene” Gebiete wie Lhasa legal bereisen.
Für den Großteil des Landes braucht man zusätzlich noch eine ATP-Genehmigung (Alien Travel Permit). Dieses bekommt man beim PSP (Public Security Bureau), der Ausländerpolizei in grösseren Städten wie zum Beispiel Lhasa, Ali, Shigatse, Chengdu, Brakham,… je nach Reisegebiet und zuständigem Beamten mehr oder weniger einfach, wenn die restlichen Papiere in Ordnung sind. Das ATP wird bei den zahlreichen Strassenkontrollposten kontrolliert und es muss jeder Ort, den man zu besuchen wünscht, darauf angeführt sein. Änderungen der Reiseroute sind nach Reiseantritt nicht mehr möglich.
Es gibt schließlich auch noch gesperrte Gebiete, in denen das ATP nicht genügt. Nur wer eine militärische Genehmigung vorweisen kann, darf offiziell rein. Diese ist aber nicht einfach zu bekommen, die einzige Möglichkeit sind wohl geführte Touren von Reisebüros.
Theoretisch ist es für Individualreisende also nur möglich, sich einer Gruppe anzuschließen, um in Tibet reisen zu können. Doch speziell mit dem Fahrrad kommt man relativ einfach illegal ohne Genehmigungen durchs Land. Man braucht dazu nur etwas Glück und muss die Position aller Strassenkontrollposten kennen (im Internet gibts zahlreiche Informationen darüber), um diese ungesehen in der Nacht zu passieren. Durch die grösseren Städte, in denen PSP präsent ist, sollte man auch besser ohne zu stoppen - wohl ebenfalls am besten in der Nacht - durchradeln. Übernachtet man dort in Unterkünften, wird man auf jeden Fall erwischt, denn das PSP erhält Meldung über ausländische Gäste. Selbst wenn man nur kurz bei einem Restaurant oder zum Einkaufen stoppt, wird vielleicht jemand das PSP informieren.
Es drohen, wenn man erwischt wird, je nach Verhandlungsgeschick mehr oder weniger hohe Geldstrafen und die Ausweisung aus dem Land. Im schlimmsten Fall Gefängnis und Beschlagnahmung der Ausrüstung, was aber kaum vorkommt. Falls man aber zum Beispiel Autostopper ist, sollte einem klar sein, das auch der Fahrer, der einen mitgenommen hat, meist schwer bestraft wird und zumindest seinen Führerschein verliert, was ja bei einem Lastwagenfahrer zugleich auch den Verlust seines Arbeitsplatzes bedeutet!
Die Teile von Osttibet, die im Yunnan und Sichuangebiet liegen, wurden übrigens vor ein paar Jahren für den Tourismus freigegeben. Hier darf man ohne Genehmigungen auch als Individualreisender frei reisen. Am besten, man informiert sich vor einer Reise noch mal über die aktuelle Situation, welche Gebiete nun “offen” oder “gesperrt” sind, da sich dies natürlich ändern kann.
Sicherheit
Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels besteht keine Sicherheitswarnung für China. Es wird allerdings allgemein auf die erhöhte Sicherheitsgefährdung hingewiesen. Um die aktuelle Sicherheitslage abzufragen, ist der Link zum Außenministerium hilfreich.
Für Radler können die teils aggressiven Hunde, die tibetischen Mastiffs gefährlich werden. Immer ein paar Steine oder einen Stock zur Verteidigung dabeihaben, das sollte helfen.
Gesundheit und Impfungen
Die medizinische Versorgung entspricht teilweise nicht dem westeuropäischen Standard. Die Verhältnisse in privaten Kliniken sind meist sehr gut. Die Mitnahme einer Reiseapotheke wird empfohlen. Es besteht kein Sozialversicherungsabkommen, eine Zusatzversicherung für den Krankheitsfall und den Krankentransport sollte unbedingt abgeschlossen werden.
Für die Einreise nach China sind keine Impfungen vorgeschrieben, außer man reist durch ein Infektionsgebiet für Gelbfieber (Änderungen werden auf der Homepage des Auswärtigen Amt bekanntgegeben).
Zusätzlich zu den Basisimpfungen, die jeder Reisende haben sollte (Diphtherie/Tetanus, Polio, Hepatitis A+B und Typhus) empfiehlt das Zentrum für Reisemedizin abhängig vom Reisestil noch eine Impfung gegen Tollwut, die wohl besonders für Radler sehr sinnvoll ist. Siehe bei Fit for Travel.
Durch die Höhenlage Tibets ist der Luftdruck dort geringer als zum Beispiel auf Meereshöhe. Ohne entsprechende Akklimatisation ist jeder - auch gut trainierte Sportler oder Leute, die schon auf vergangenen Touren ohne Probleme in großer Höhe waren - gefährdet, Höhenkrankheit zu bekommen. Die Lunge kann nämlich auf großen Höhen nicht genügend Sauerstoff aufnehmen und es besteht auch die Gefahr, das sich gefährliche Ödeme durch die stattfindende Blutdruckerhöhung bilden.
Erste Symptome sind unter anderem Kopfschmerzen, hoher Puls und Atemnot, Müdigkeit, Übelkeit und Schwindel. Bemerkt man solche Symptome, sollte man sie auf jeden Fall ernst nehmen, denn schwere Formen von Höhenkrankheit führen zum Tod! Sind die Symptome nicht schlimm, einfach einen Ruhetag einlegen sonst aber unbedingt auf niedrigere Höhen absteigen.
Sobald man über 3.000 Höhenmeter kommt, wird als Akklimatisation von vielen Ärzten empfohlen, nicht mehr als 400 Höhenmeter pro Tag an Höhe zu gewinnen. Dabei ist der Schlafplatz gemeint, man kann also tagsüber höher steigen - zum Beispiel über einen Pass radeln und anschließend auf niedrigerer Höhe campieren. Alle tausend Höhenmeter sollte man zusätzlich einen Ruhetag einlegen. Wie lange jemand zur vollständigen Akklimatisation braucht, ist vom Körper abhängig (Puls messen). Nur dann kann jedenfalls volle Leistungsfähigkeit entfaltet werden, denn schon bei einer Höhe von 3.500 Metern sinkt die Leistungsfähigkeit anfangs um circa 20 Prozent!
Wichtig ist auch, viel Flüssigkeit zu trinken und nur leicht verdauliches Essen zu sich zu nehmen, keinen Alkohol zu trinken und man sollte auch nicht rauchen.
Eine sehr informative Website zum Thema Höhenkrankheit ist hier zu finden.
Strassen und Wege
Ein Großteil der tibetischen Strassen sind Pisten, teilweise in sehr schlechtem Zustand. Rund um Lhasa gibt es einige neue Asphaltstraßen.
Speziell in der Regenzeit (Juli, August) können Schlammpisten und Erdrutsche die Strassen gefährlich bzw. unpassierbar machen. Zwischen Oktober und März muss man auf den hohen Pässen mit Schneefahrbahn rechnen.
Achtung auf die Polizei-Checkpoints an den Strassen, falls man ohne Genehmigung fährt!
Geld
Die Landeswährung ist wie in China der Renminbi. 1 Yuan entspricht 10 Jiao, 1 Jiao sind 10 Fen.
Der aktuelle Mittelkurs: (Quelle: The Universal Currency Converter Services)
Falschgeld (besonders bei 50 und 100 Renminbi-Scheinen) ist weit verbreitet. Einheimische prüfen diese Scheine bei der Annahme deshalb häufig sehr sorgfältig. Selbst in Banken kann es beim Geld abheben oder -wechseln vorkommen, dass man gefälschte Banknoten erhält. Die Struktur der Scheine ist beim Revers von Mao Zedongs stark geriffelt und kann mit dem Fingernagel geprüft werden.
Genügend Geld wechseln, denn dies ist meist nur bei der Bank of China möglich, die nur in grösseren Städten wie Lhasa, Zhangmu, Shigatse, Xining, Golmud, Kanding, Barkham und Zhongdian uns Songpan Niederlassungen hat. Bei dieser Bank können sowohl Euro als auch Dollar gewechselt werden. Bei internationalen Hotels Geld zu wechseln, ist oft nur für Hotelkunden möglich.
In Lhasa gibt es übrigens auch Geldautomaten, welche internationale Kreditkarten akzeptieren.
Die Lebenskosten sind übrigens etwas höher als im Rest von China. Für Leute, die aus Europa kommen ist es aber abgesehen von gewissen Sehenswürdigkeiten aber trotzdem ein erfreulich günstiges Reiseland. Übernachten in günstigen Hotelzimmer ist nicht immer einfach, da es spezielle, für Ausländer autorisierte Hotels gibt, aber zumindest für Individualreisende ist wohl ohnehin das Zelt die erste Wahl.
Versorgungslage
Bis auf große Städte wie Lhasa ist die Lebensmittelauswahl beschränkt. Je nach Region könne Orte auch weit von einander entfernt liegen, also immer genug Lebensmittelvorräte mitnehmen. Ein Problem für Individualreisende ist auch, das man manche Städte ungesehen durchqueren sollte und somit wenig Gelegenheit hat, Vorräte nachzukaufen. Allerdings gibt es manchmal auch die Möglichkeit zum Beispiel bei Strassenarbeitercamps Essbares zu kaufen.
Ersatzteile in Tibet zu finden wird wohl auch in Lhasa schwer, darum alles notwendige mitnehmen. Wer nach Nepal fährt, kriegt wieder Ersatzteile in Kathmandu, wer Richtung China fährt, in Chengdu (wobei die Geschäfte in Kathmandu die besseren sind, also wenn ihr von dort kommt, schon vorsorgen). In Lhasa gibt es ein paar Outdoorshops, die auch Equipment verleihen, falls man Lust zum Trekken hat.
Kontaktmöglichkeiten
Internet gibt es nur in den grösseren Städten wie Lhasa, Shigatse,… und es ist auch ein wenig teurer als im Rest von China.
Wie im Rest von China gibt es aber Zensur im Internet. Neben pornographischen Seiten sind auch die Auftritte religiöser und politischer Gruppierungen, die die chinesische Regierung als schädlich ansieht, sowie renommierte Nachrichtendienste (zB BBC) gesperrt. Am 23. Januar 2006 wurde bekannt, dass nach vielen anderen Suchmaschinen auch Google-China die Suche manipuliert. In Absprache mit den chinesischen Behörden werden für die chinesische Öffentlichkeit brisante Seiten zu Themen wie Tibet oder Taiwan nicht angezeigt. Auch Yahoo ist in dieser Hinsicht mit Vorsicht zu genießen. Ein chinesischer Journalist, der über ein Yahoo-Konto Informationen nach außen weitergeleitet hat, wurde zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt, weil Yahoo seine Personendaten den chinesischen Behörden zur Verfügung gestellt hat.
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die Zensur in China zu umgehen. Auf der Seite von Freerk gibt es viele Tipps dazu. Für Leute, die nur in Internet-Cafés sitzen, sind viele dieser Möglichkeiten jedoch nicht anwendbar, weil sie die Installation einer Software erfordern, zB JAP, TOR, Freenet und Peekabooty. Es gibt allerdings auch einige Webseiten, die Anonymizer-Dienste anbieten, zB Anonymouse, Anonymization, Proxify und Surfonym. Die kann man auch in Internet-Cafés benutzen.
Links
- Tibetische Regierung im Exil
- Sehr informative Website zum Thema Höhenkrankheit
- Tibet-Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia
- Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia zum Autonomen Gebiet Tibet
- Das CIA Factbook über China (englisch)
- Das österreichische Außenministerium zum Thema China und Tibet
- Fit for Travel - der reisemedizinische Infodienst
- Der Jahresbericht 2007 von amnesty international zur Menschenrechtssituation in China und Tibet
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