Einer der Gründe für unsere Radreise? Mit Sicherheit das exzellente “Hühnerfleisch a la Sichuan”, weswegen wir Stammkunden im St. Valentiner Chinarestaurant waren.
Und nun haben wir sie erreicht, die Provinz Chinas, von der unser Lieblingsgericht stammen soll und hoffentlich noch viele andere Delikatessen…
Doch Hühnerfleisch haben wir noch nicht erblickt - weder in lebendiger Form noch auf dem Speiseteller. Die einzigen Zuchttiere, die es nun entlang unserer Route zu sehen gibt: Pferde und zottelige Yaks (und nicht zu vergessen, die von Radlern gefürchteten aggressiven Hunde, die tibetischen Mastiffs).
Sichuan ist die grösste Provinz in Südwestchina und während der fruchtbare Osten zu den am dichtesten besiedelten Gebieten der Welt zählt, leben im Westen der Provinz, in dem wir uns nun befinden, weniger als zehn Prozent der Bevölkerung. Ein großer Teil dieser einsamen Region befindet sich auf über 4000 Höhenmetern. Mächtige Schneeberge, riesige Grasplateaus mit unglaublicher Blumenpracht, reißende Gebirgsbäche, tiefe Täler, im Wind flatternde Gebetsfahnen, Nomadenzelte und Yakherden geben einem das Gefühl, nicht mehr in der chinesischen Welt zu sein.
Nicht ohne Grund, denn dieser Landesteil gehört geographisch zum Tibetplateau und zählt für Tibeter zur Provinz Kham, die sich auch noch in das Autonome Gebiet Tibet (die Region, die heutzutage in den Landkarten als Tibet markiert ist, aber nur etwa die Hälfte des tibetischen Kulturraums umfasst) erstreckt. Das Khamgebiet in Sichuan unterliegt im Gegensatz zum tibetischen weit weniger strenger militärischer Überwachung, und somit ist hier nicht nur freieres Reisen möglich, sondern auch ein besseres Kennenlernen der Kultur, als in vielen tibetischen Städten, die oft nur noch einen geringen Prozentsatz an Tibetern aufweisen und mit Hanchinesen besiedelt wurden.
Zumindest außerhalb der grösseren Städte begegnen wir trotzdem keinen anderen Touristen. Die zahlreichen hohen Pässe sind gerade nun in der Regenzeit oft durch mehrere Hangrutsche gleichzeitig blockiert, daher die Strassen so gut wie autofrei.
Und das Kennenlernen der Kultur wird uns wirklich einfach gemacht, denn so gastfreundliche Leute wie hier haben wir noch in keinem anderen Teil Chinas angetroffen. Für die Nomaden ist es selbstverständlich, Vorbeireisende einzuladen. So sitzen wir oft Stunden bei Yakbuttertee, Käse und Tsampa - den leckeren lokalen Köstlichkeiten - ums Feuer, in den schwarzen Zelten aus Yakwolle, die so grobmaschig sind, das man den blauen Himmel durchsehen kann.
Wir wissen gar nicht, wie wir die traumhafte Natur und die tolle Atmosphäre hier in Worte fassen sollen - wir wissen nur: das Hühnerfleisch war wirklich ein berechtigter Grund, hierher zu kommen!

Das China-Restaurant in St. Valentin hat übrigens den Besitzer gewechselt und hat jetzt eine neue Einrichtung. War seither erst ein Mal drinnen, ist auch ok, aber ob es noch so gut oder sogar besser ist, kannst wohl nur du als ehemaliger Stammkunde beurteilen.
Kommentar von Cecil — 2.8.2007 @ 21:11