13. April: Thailands sonst so friedliche Strassen haben sich in ein Schlachtfeld verwandelt. Fast niemand wagt sich mehr ohne Waffe aus dem Haus. Händler, die normalerweise Gemüse oder Süßigkeiten im Warenangebot haben, bieten nun Schusswaffen jeder Größe an. Von kleinen, unauffälligen Pistolen bis zu riesen Gewehren, die Treffsicherheit und große Reichweite garantieren. Selbst Kinder werden mit Waffen ausgestattet, Munitionsvorräte ans strategisch günstigen Punkten platziert. Wer sich nicht in einem der Haeuser verschanzt, lebt in ständiger Gefahr einen Treffer abzubekommen.
Die Strassen sind voll von Gefechtsspuren, lugt man aus seinem Versteck hervor, wird man sofort wieder Augenzeuge neuerlicher Angriffe. Das Geschrei der Getroffenen erfüllt die Stadt. Jeder der sich auf die Strasse wagt, wird unter Beschuss genommen. Nicht nur in Hauseingängen und an Straßenecken halten sich die Angreifer verschanzt, auch gut versteckt von Balkonen fallen Schüsse.
So mancher Jeep versucht sich einen Weg durch die Angreifer zu bahnen, aber nur mit Hilfe zahlreicher bewaffneter Kämpfer auf der Ladefläche, die auf alles, was sich bewegt, ohne zu zögern feuern. Weil die Jeeps oft von beiden Straßenseiten attackiert werden, kommt so gut wie keiner auf der Ladefläche ohne Treffer davon. Manchmal sind es nur Streifschüsse, aber auch zahlreiche Volltreffer.
Noch schwieriger ist die Situation für uns Radfahrer, denn während Mopedfahrer wenigstens mindestens noch zwei Kämpfer auf dem Sozius mitnehmen können, müssen wir uns allein den Angreifertrupps stellen. So manche Gefahrenstellen lässt sich geschickt umfahren und viele verschonen uns Ausländer, doch je länger die Kampfhandlungen andauern, umso öfter werden auch in unsere Richtung Schüsse abgegeben, die uns taumeln lassen.
Der Grund für die “Ausschreitungen”: Von 13. April an wird in Thailand Songkran - das Neujahrsfest nach dem Mondkalender - gefeiert. Die mehrere Tage andauernden Festlichkeiten haben auch den Beinamen Wasserfest. Aus dem buddhistischen Brauch, zu diesem Anlass Buddhastatuen, Mönche und alte Leute zu deren Ehre mit etwas Wasser zu besprenkeln, ist mittlerweile ein Fest geworden, bei dem jeder kübelweise Wasser abbekommt.
Recht angenehm eigentlich, denn April ist die heißeste Jahreszeit in Thailand und so ist man, wenn alles Wichtige in Plastik verpackt ist, ganz froh über die Abkühlungen. Und da die Thais es besonders gut verstehen, Feste zu feiern, ist jede Menge Spass garantiert.

Habt ihr euch wirklich aufs Fahrrad gewagt?
Kommentar von Dani — 22.4.2007 @ 0:59