Moped trifft Moped, Auto trifft Moped, Zug trifft Auto. Köpfe treffen Asphalt, Blut trieft aus leblosen Körpern.
Jeden Tag trifft man auf Unfälle auf den staubigen, hoffnungslos verkehrsüberfüllten Strassen. Es trifft, wie sich die Leute untätig um die Verwundeten versammeln, auch trifft die sichtbare Armut mancher.
Das ehrliche Lächeln, das nette Winken, aber auch das “Fuck You” und die Steine, die einem die Kinder nachschießen, treffen. Die dicken Halbwüchsigen, die einen auf Mopeds mit ausgestreckter Hand und “Money”-Rufen verfolgen, die vielen Besoffenen und Drogenabhängigen.
Die Westler, die ihr Geld mit beiden Händen rauswerfen, der Landstreicher, der nicht mal eine Hose hat.
Auch die Verkäufer, die nicht verstehen, dass man als Radler weder Wischmop, Goldfisch noch vietnamesisches Kleinkind braucht und einen aufs Schlimmste verfluchen, treffen.
“Vietnam - der versteckte Charme”, verkündet eine Werbetafel treffend. Ja, man trifft auf Charme. Versteckt allerdings - und zwar hinter dem unbändigen Streben nach Geld, zwischen zerstörter Natur, zerstörten Menschen und zerstörendem Tourismus.

Klingt nicht wirklich als Reiseempfehlung…echt arg…
Kommentar von Florian — 18.1.2007 @ 22:54hallo ihr zwei!
ich bin jedes mal sprachlos, wenn ich von eurer tour höre oder über eure hp ein paar informationen erfahre. hut ab! ich freu mich auch jedes mal zu hören, dass es euch gut geht und wo ihr gerade herumradelt; dieses mal, der bericht liegt aber schon etwas zurück, „muss“ ich aber ein paar aussagen kommentieren
nachdem wir zur selben zeit im vietnam waren (leider davon nichts wussten) und ganz andere erfahrungen gemacht haben, denke ich, dass ich zu diesem reisebericht ein paar sätze schreiben sollte.
wir haben nämlich den vietnam als ein angenehmes urlaubsziel erlebt und ich würde auch ein weiters mal hinfahren. wir waren nicht mit dem radl unterwegs, sondern nur per flugzeug, zug oder bus, da die distanzen zwischen norden und süden schon recht beträchtlich sind.
also wir starteten unseren vietnam aufenthalt in Ho Chi-Minh City und verbrachten “unser” neujahr dort. sie stadt ist das ärgste was ich je erlebt habe und wer glaubt schon mal viele mopeds auf einer straße gesehen zu haben, der war noch nie samstag abend am Nguyen Hue Blvd. aber nach ein, zwei tagen hatten wir uns an das gewurl, den lärm und den ganzen stress dieser stadt gewöhnt und konnten tatsächlich einen gewissen charme entdecken. danach sind runter zum Mekong und danach mit dem flugzeug rauf nach Hanoi zur Halong Bay und dann ganz rauf zur chinesischen grenze nach Sapa.
so wie ich Vietnam als “klassischer” tourist wahrgenommen habe sind natürlich nur punktuelle Ausschnitte eines von kriegen, kommunismus und pseudo-neoliberalen tendenzen geschüttelten landes. die bevölkerung ist arm und der lebensstandard niedrig… und die volkswirtschaft der sozialistischen planwirtschaft unterworfen, dass dabei nix gscheits rauskommen kann, sieht man ja!
die frage ist nur wie man als tourist und fremder mit so einem land umgehen soll. als österreicher weiß ich, welchen stellenwert der tourismus für ein land erlangen kann, andererseits sollte man das im land übliche preisgefüge nicht durcheinander bringen. devisen sind aber wiederum die nahe liegenste alternative zur stark inflationären währung .
was wir aber ganz klar gemerkt haben, war, dass die vietnamesen viel stärker dem schellen geld nachgieren als wir es in kambodscha oder thailand erlebt hatten. außerdem spürt man diesen drang nach vorne; jeder will geschäfte machen und eine besseres leben führen oder eine bessere zukunft aufbauen.
ich denke, dass ein land mit dieser geschichte, einem bankrotten staatshaushalt und nur mehr china als ideologischen partner hat (mal von nordkorea abgesehen) nicht viel mehr möglichkeiten hat, als seinem volk die verantwortung zu überlassen für eine bessere zukunft zu arbeiten. leider kommt es dadurch zu negativen auswüchsen und birgt die gefahr, dass nur ein paar wenige vom möglichen aufschwung profitieren weren.
wir haben den Vietnam als ein sehr interessantes land kennengelern; mit vielen unterschieden zwischen dem süden und norden; interessanten kulturen, religiösen ausprägungen und menschen, aber auch mit extremen gegensätzen zur „westlichen“ welt; wie zB mit behinderten personen oder regime-kritikern umgegangen wird; wie die gehirnwäsche systematisch an universitäten und via medien vorangetrieben wird und welchen spagat das zentralkomitee unternimmt, die Sozialistische Volksrepublik Vietnam am leben zu erhalten.
Kommentar von philipp — 22.8.2007 @ 11:30@Rainer: Nach Lesen deines Beitrags frag ich mich, inwiefern eure Reiseerlebnisse angenehmer waren. Dein Bericht liest sich ja noch negativer und pessimistischer als der von Birgit.
Kommentar von Sabine — 28.9.2007 @ 12:45