“Im Himmel ist das Paradies, auf Erden Suzhou und Hangzhou”, so oder so ähnlich soll schon Marco Polo 1276 bei seinem Besuch gesagt haben. Und auch heute noch ist Hangzhou (gemeinsam mit Guilin) wegen seines berühmten Westsees das beliebteste Ausflugsziel der Chinesen.
So schwingen wir uns mit dem nächsten Reiseziel Hangzhou in den Sattel und freuen uns schon auf etwas Grün nach dem Hochhäusermeer von Shanghai.
Die Stadt Hangzhou, die übrigens das Ende des Kaiserkanals - des weltweit längsten Kanals, der einst von hier bis Beijing führte - bildet, liegt nur 200 Kilometer südlich von Shanghai. Für mich ist es trotzdem eine beschwerliche Fahrt, hohes Fieber und schwerer Durchfall plagen mich bei grosser Hitze. Ein weiterer Grund also, uns auf ein oder zwei gemütliche Tage an dem so berühmten und angeblich so wunderbaren See zu freuen.
Der Westsee, im Ortszentrum der circa sechs Millionen Einwohner Stadt, ist schnell gefunden. Weil die Hitze nun am späten Vormittag schon wieder gross ist, steuern wir gleich auf ein schattiges Bänkchen zu um eine Kleinigkeit zu essen und zu trinken. Doch der aufgeregt fuchtelnde Polizist mit der Trillerpfeife verwehrt uns den Weg zu der Bank, die zwei Meter hinter der Fahrradverbotstafel (gibts viele im Land der Radfahrer) ist. Nix zu machen, aber es sind ja auch hier in der Zone, wo Bikes erlaubt sind, schattige Bänkchen, also besetzen wir gleich das nächstbeste.
Der Blick auf den See wird uns nur kurz gewährt, denn wir werden innerhalb von Sekunden von wahren Menschenmassen umlagert. Als weißer Radler ist man überall in China die Hauptattraktion, das sind wir schon gewohnt (obwohls manchmal recht nervt). So packen wir - ohne die teilweise fotografierende und sogar filmende Schaulustigen näher zu beachten - unser Obst vom Rad (ohne die Taschen zu öffnen, denn dies steigert, so unsere Erfahrung, die Neugierde der Chinesen ins unermessliche. Noch nie war ein Volk so an unserem Tascheninhalt interessiert!!), beantworten in kurzen Sätzen die immer gleichen Fragen der Wenigen, die Englisch können, und versuchen so wenig Interesse wie möglich zu erwecken.
Trotzdem geschieht wieder einmal das Befürchtete: Der Polizist mit der Trillerpfeife erscheint wieder und versucht zuerst die Leute hinter uns aus dem Gras zu verscheuchen. Weil die Menschenhorde aber immer größer wird, bekommt er es schließlich mit der Angst zu tun. Jeder chinesische Polizist scheint panische Angst vor Menschenmassen zu haben, fällt uns schon auf. Er deutet uns wild fuchtelnd von dem Platz zu gehen. Wir stellen uns erstmal dumm - steht ja nirgends, dass Ausländer hier nicht sitzen dürfen - und rühren uns nicht vom Fleck. Immerhin wollen wir ja nur gemütlich unsere Banane auf einer schattigen, öffentlichen Parkbank verzehren und zwar neben dem See wegen dem wir extra hergekommen sind.
Ein Mann beginnt den hilflos gestikulierenden Uniformierten zu beschwichtigen, er solle uns doch in Ruhe lassen und wieder gehen. Doch dieser denkt nicht daran und ein heftiger Streit zwischen den Beiden entsteht. Laut steht der tapfere Chinese für unsere Rechte ein (die Polizei hier ist leider viel zu mächtig) und bald hilft ihm die ganze Menschenmasse mit Applaus und Zwischenrufen. So ist der Polizist schnell in die Flucht geschlagen, doch der Ausgelachte fordert natürlich schnell Verstärkung an. Auch die Verstärkung kann uns keinen Grund nennen, warum es hier nicht erlaubt ist zu sitzen. Schließlich meint ein Polizist wegen den Rädern. “Witzig, der ganze Platz hier ist voll von Fahrrädern!” entgegnen wir und haben so die Lacher der Menge auf unserer Seite. “Aber ihr seid Ausländer”‘ entgegnet er, und weiter vorne sei ein Platz, wo wir sitzen dürften. Na fein, wenn er uns dort hinbringt, gehen wir ja gerne mit, meine ich darauf. Die Menge findet das total witzig und verärgert bringt uns der verspottete Polizist zu einem Platz ohne Bänke in der Sonne abseits vom See.
In meinem besten chinesisch (spucken
) sag ich ihm meine Meinung und wir radeln zur nächsten Seezufahrt. Mal sehen, wann die ersten Rassisten kommen, um uns zu vertreiben. Der See ist drei mal drei Kilometer lang, es gibt also noch viele Zufahrten und viele Polizisten, die heute wohl ausgelacht werden wollen.

Hallo Birgit, hallo Martin, heute hab ich mir eure homepage einmal genauer unter die Lupe genommen, mein Komplement habt ihr auf jeden FAll!
Die Story mit dem Polizisten find ich echt witzig - lasst euch da nur nicht unterkriegen (obwohl ich das bei euch eh nicht im geringsten vermute ;-))
Es ist echt lächerlich wegen so einer Kleinigekeit so einen Aufstand zu machen - habt ihr toll gelöst muss ich sagen.
Übrigens werdet ihr nicht nur in Hangzhou bewundert, auch in Österreich seid ihr gelegentlich in aller Munde!
Bis zum nächsten Mal,
Kommentar von Maria Vösenhuber — 21.8.2006 @ 14:53Vösi Maria