Das war es also. Wir sind wieder in Österreich und der Besuch bei Birgit und Martin liegt hinter meinen Eltern und mir. In den 10 Tagen, die wir alle in Peking waren, haben wir all den Tratsch und die Neuigkeiten von zu Hause berichtet, haben uns viele Geschichten von der Reise erzählen lassen und nebenbei auch noch Chinas Hauptstadt besichtigt.
Angefangen hat alles mit der Idee im März, ziemlich genau 1 Jahr, nachdem Birgit und Martin ihre Reise begonnen hatten. Kurze Zeit später hatten wir auch schon das Visum und die Flugtickets für unseren Besuch. Am 20. Mai ging es dann los. Nach fast 10 Stunden Flug und 6 Stunden Zeitverschiebung landeten wir am späten Vormittag des nächsten Tages in Peking. Die Einreise nach China war viel einfacher als erwartet und in der Flughafenhalle wartete bereits ein vom Reisebüro gestellter deutschsprachiger Begleiter für den Transfer zum Hotel.
Eine dreiviertel Stunden später war es so weit und wir konnten Birgit und Martin das erste Mal seit 14 Monaten wieder in die Arme schließen. Wir haben sie sogar auf Anhieb erkannt, obwohl das wohl eher an den Begrüßungsluftballons und den für chinesische Verhältnisse zu hellen Haaren liegen könnte. Birgit und Martin hatten bereits eingecheckt und so konnte ich gleich mal feststellen, dass ich mir das Zimmer auch mit zwei Fahrrädern und der gesamten Ausrüstung teilen durfte. Es war sicher ein nicht ganz alltäglicher Anblick für die Angestellten des Hotels, als die Beiden in ihrer üblichen Reisekleidung die entsprechend abgenutzten Sachen auf den Fahrrädern durch die Lobby zu den Liften brachten.
Nachdem wir uns dann alle in unseren Zimmern eingerichtet hatten, haben uns Birgit und Martin gleich mal ein paar typische Früchte und chinesisches Bier serviert. Anschließend sind wir noch etwas spazieren gegangen. Sonntag Nachmittag sind die Pekinger Innenstadt und der Tian’anmen-Platz, der immerhin als der größte befestige Platz der Welt in einer Stadt gilt, trotz der zahlreichen Menschen direkt ausgestorben im Vergleich zu dem, was noch kommen sollte.
Montag Früh wurden wir dann von Yang Jingui – für uns Max - , unserem deutschsprachigen Reiseführer, abgeholt, der uns die nächsten drei Tage die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt zeigen würde. An diesem Tag waren erst mal die Ming-Gräber dran. Schon auf dem Weg dorthin präsentierte sich etwas, was uns noch den ganzen weiteren Aufenthalt immer wieder faszinieren sollte, von seiner besten Seite – der Verkehr:
Chinesen fahren nach der inneren Harmonie. – Zitat unseres Reiseführers
Wer hier als Fußgänger am Zebrastreifen auf seinen Vorrang besteht, hat schon so gut wie verloren. Aber auch als Fahrradfahrer hat man nicht viel mehr Rechte, auch wenn es überall (zumindest überall dort, wo wir waren) vorbildliche, breite Fahrradwege gibt.
Nach den Ming-Gräbern machten wir einen Zwischenstopp bei einer Jadefabrik, in der man uns alles mögliche über Jade und ihre Verarbeitung erklärte. Anschließend gab es Mittagessen und schließlich ging es zur Chinesischen Mauer bei Badaling. Da hier die ganzen Touristengruppen hingebracht werden, gibt es auch entsprechend viele Souvenierhändler, die nicht nur an den jeweiligen Einstiegspunkten sondern auch auf der Mauer selbst überall lauern. Schon auf dem Weg zur Mauer hatte uns Max alle möglichen Fakten erzählt und so liess er uns dort dann alleine herumlaufen. Die Chinesische Mauer ist ein großartiges Erlebnis – trotz der Hitze und der beschränkten Zeit. Schon alleine wegen der etwas sehr unregelmässig gebauten Stiegen sollte man unbedingt zu Fuß rauf. Es hat einfach etwas Anziehendes, wenn auf eine 5 cm hohe Stufe eine mit 40 cm folgt. Und die Plackerei beim Aufstieg wird durch den Wahnsinnsausblick auf jeden Fall mehrfach belohnt.
Zurück im Hotel hatte es uns nicht lange drinnen gehalten. Wir waren zwar eigentlich hundemüde, aber trotzdem noch so neugierig. Also hinaus und wieder ein Stück Pekings erkunden. Auch ganz in der Nähe vom Hotel gibt es mehrere Hutongs – enge Gassen, in denen man auch mitten in der Stadt noch die traditionelle Bauweise und Lebensart finden kann. Dort wanderten wir etwas herum und aßen herrlich unbekannte Sachen.

Am Dienstag brachte uns Max erstmal zum Lamatempel, wo wir es beinahe geschafft hätten, nicht als Letzte beim Bus zu sein. Irgendwie haben wir es einfach jedes Mal geschafft, das alle schon auf die Weiterfahrt gewartet haben, wenn wir beim Bus eingetrudelt sind. Die nächsten Punkte im Tagesprogramm sind eine Teppichknüpferei (in der man uns zeigt, wie Seidenteppiche angefertigt werden), das Mittagessen und ein Besuch bei einem Gehege mit Pandas. In meinem nächsten Leben werde ich ein Zoo-Pandabär, noch bequemer kann das Leben nicht werden (Vormittagsschläfchen, Essen, Mittagsnickerchen, Essen, Nachmittagsschläfchen, Nachtruhe und ev. vorher noch mal Essen). Schließlich fuhren wir noch zum Sommerpalast, wo sich Max einen blauen Regenschirm besorgte, damit wir ihn wieder finden konnten, wenn er sich mal wieder ein paar Meter weiterbewegt hatte und einer von uns fünf oder auch alle gerade mal etwas vom Weg abgekommen waren. Der Sommerpalast hat übrigens einen irreführenden Namen, weil er kein Palast ist sondern ein ziemlich großer Garten ist. Am Abend landeten wir wieder einmal in den Hutongs, dieses Mal nahmen wir aber die U-Bahn dorthin. In diesem Hutong gibt es neben zahlreichen Verkaufsständen auch ein paar Lebensmittelstände, in denen man Käfer, Heuschrecken, Skorpione, … zum Verzehr erwerben kann. Gewisse Leute mussten natürlich gleich mal kosten. Beweise dafür gibts (falls Birgit und Martin mal wieder nach Österreich zurückkommen) bei den Diavorträgen.
Mittwoch war der letzte Tag mit Reiseführung. Max präsentierte uns die Verbotene Stadt, eine Perlenfabrik, Mittagessen, den Himmelstempel und zum Abschluß noch eine Seidenfabrik, in der man uns zeigte, wie aus einer kleinen Raupe Bettwäsche wird. Aja, und einen Neffen des letzten Kaisers haben wir auch getroffen. Der hat nämlich in einem Souvenirshop in der Verbotenen Stadt Kalligraphien gemalt. Abendprogramm war mal wieder ein Ausflug in die Hutongs. Ich hätte mir die Schriftzeichen von den Speisekarten abmalen sollen, dann hätte ich im Nachhinein noch herausfinden können, was ich da eigentlich so gegessen habe. Aber jetzt ist es zu spät dafür. Abschliessend waren wir noch eine Runde im hoteleigenen Schwimmbad. Im Jacuzzi hätte man übrigens leicht Krebse (oder auch nur uns) kochen können.

Donnerstag war der erste Tag fast ohne Max. Nach dem wie immer ausgiebigen Frühstück, dass zum ersten Mal eine Stunde später stattfand (ausschlafen!!!) und auch gleich doppelt so lange dauerte, gings zum ausgiebigen Shopping in die riesigen Einkaufszentren. Und am Abend holte uns Max im Hotel ab und brachte uns zu einer Akrobatik-Show. Faszinierend! Selbst wenn ich eine dieser Figuren zusammenbrächte – und die Chancen dafür gehen sehr stark auf Null zu -, bräuchte ich nachher jemanden, der mich wieder entknotet.
Von Max haben wir uns am Donnerstag endgültig verabschiedet und weils am Donnerstag so viel Spaß machte, sind wir am Freitag gleich nochmal einkaufen gegangen. In Peking gibts Schuhgeschäfte, da sieht man von einem Ende aus das andere nicht mehr. Himmel! Die Größenangaben bei den Turnschuhen haben allerdings nicht ganz gepasst. Da musste man schon zwei Nummern draufschlagen, wenn man reinpassen wollte. Aber dafür hab ich jetzt auch ein Paar Schuhe mit Größe 39.
Am Samstag Vormittag regnete es etwas, also haben wir etwas gefaulenzt und sind erst später Richtung Tian’anmen-Platz los. Eigentlich wollten wir ja ins Mao-Mausoleum, das aber schon längst zu hatte. Es waren aber trotzdem massenhaft Menschen dort. Also haben wir gleich mal Martin aus Versehen in der Menge verloren. Wir hätten uns wie Max einen blauen Regenschirm besorgen sollen, aber man lernt halt immer alles auf die harte Tour. Martin hatte an dem Tag eine Digitalkamera mit drei Speicherchips mit. Das allabendliche Treffen vorm Computer, wo wir uns bei Bier und Tee die im Laufe des Tages gemachten Fotos ansahen, geriet an diesem Tag etwas sehr viel länger. Während Martin hunderte Fotos knipste, machten wir mit zwei Fahrradrikschas eine Tour durch die Hutongs. Obwohl die beiden Fahrer nur Chinesisch konnten und wir daher bei Unterhaltungen auf Hände und Füße angewiesen waren, zeigten sie uns einige tolle Sachen. Auch bei mehreren Geschäften hielten sie an. So besuchten wir einen kleinen Teeladen, in dem wir gleich zu einer Teezeremonie eingeladen wurden. Die Inhaberin konnte sehr gut Englisch und liess uns die verschiedenen Teesorten nicht nur kosten sondern erklärte auch noch genau, wie man sie zubereiten sollte und was sie bewirken. Vor der abendlichen Fotoshow im Zimmer genossen wir wieder das Schwimmbad des Hotels, der Jacuzzi war nicht mehr auf siedend gestellt und auch dem Dampfbad mussten wir unbedingt einen Besuch abstatten.
Sonntag stand eine Radtour am Plan. Immerhin besuchten wir ja zwei Biker!!! Also liehen wir uns nach zähen Verhandlungen jeder ein Fahrrad aus und los gings. Peking hat sehr gut ausgebaute Radwege und wenn man selber aktiv daran teilnimmt, kommt einem der Verkehr gar nicht mehr so schlimm vor (vielleicht lags auch am Sonntag). Birgit und Martin hatten uns eine tolle Tour zusammengestellt, die uns durch schöne Parks, ein paar von uns noch nicht besuchten Hutongs und weiteren Sehenswürdigkeiten (Jingshan Park, Gulou, …) führte.
Am Montag zogen wir noch mal zu Fuß los. Nach einem längeren Spaziergang durch von uns noch nicht erforschte Hutongs standen wir vor dem von uns im Vorhinein erkorenen Massageinstitut, das natürlich an diesem Tag geschlossen war. Allerdings gibt es in Peking ja an jeder Ecke Massageinstitute und so hatten wir bald einen Ersatz gefunden. Am Abend gingen wir dann erstmals nicht in die Hutongs essen sondern genehmigten uns das ziemlich ausgiebige Fischbuffet im Hotel. Wir hatten viel Spaß dabei, auch wenn gewisse radfahrende Leute schon für die nächsten paar Monate vorgegessen haben.
Am Dienstag hieß es dann Abschied nehmen. Nach einem wie immer üppigen Frühstück, bei dem noch für ein paar weitere Monate vorgegessen wurde, mussten wir unsere Sachen zusammenpacken. Das Flugzeug zurück nach Österreich wollte immerhin kurz vor 14 Uhr abheben. Also haben wir uns dann schließlich voneinander verabschiedet und sind in den Bus zum Flughafen eingestiegen. Mal sehen, wo Birgit und Martin in einem Jahr sind und ob ein Flughafen in der Nähe ist.
Die Ankunft in Österreich war übrigens ein ziemlicher Schock. 9° Celsius sind ja wohl ein Scherz. Dafür waren wir eindeutig nicht passend angezogen.

Bei uns ist der Sommer im Gegensatz zu Östereich sonnig und heiß, wie es sich gehört. Vielleicht überlegt ihr es euch nochmal und kommt schon früher wieder? Uns würds freuen, denn euer Besuch war ein echter Höhepunkt auf der Reise!
Kommentar von Birgit und Martin — 11.6.2006 @ 13:55Nur das Hotel war fast zuviel Luxus für uns, denn nun wissen unsere Körper u.a. wieder was ein weiches Bett ist.
Aber Dank dem (zu) reichlichen Essen haben wir ja genug auf den Rippen, um den harten Boden erträglich zu finden.
Bis bald also hoffentlich!