Kein Tag zum Radeln

Donnerstag, 1. September 2005 @ 15:55 von Martin | 200 km vor Novosibirsk, Russland

Die Sonne ist gerade aufgegangen, als ich munter werde. Das Wetter ist zwar nicht sonderlich schön, aber es regnet nicht. Das ist schon mal ganz gut, denke ich und leg mich noch mal kurz hin. Etwas später gibts Frühstück.

Wir freuen uns schon richtig aufs Weiterfahren, doch während ich den Kaffee mache, hören wir schon die ersten Regentropfen aufs Zelt prasseln. - Na toll! So haben wir uns das nicht vorgestellt, aber macht nichts. Seit Omsk wechselt das Wetter immer sehr schnell - es wird bald wieder sonnig sein.

Wir warten den Regen ab und gegen Mittag gehts bei herrlichem Sonnenschein weiter. Es geht flott dahin heute, das sehen wir nicht nur am Tacho. Wir hören es wie immer auch anhand unseres Anhängers, dessen Felgenlager rhythmische Geräusche von sich gibt, wie wenn der Weihnachtsmann mit seinem Renntierschlitten vorbeisaust. :smile:

Doch nach wenigen Kilometern ein Knall. Und noch einer. Der Weihnachtsmann verstummt. Wir stoppen und ich sehe mir die Felge genauer an, doch mir fällt nichts weiter auf. Nur das etwas Luft im Reifen fehlt. Und Luft ist ja schnell eingepumpt, so kanns jetzt endlich richtig losgehen. Doch nach wenigen Metern erneutes Knallen. Nun sehe ich mir die Felge lieber etwas genauer an und entdecke ein offenes Kugellager. Die Abdeckung fehlt und ein paar Kugeln sind schon verloren gegangen. :sad:

Fein! Hätten wir doch die Felge früher gewechselt! Noch 200 Kilometer bis Novosibirsk - unmöglich mit einem solchen Defekt. Nun heissts improvisieren: eine neue Abdeckung bastle ich aus dem Verschluss einer Flasche, fette die Kugeln ordentlich und es scheint trotz fehlender Kugeln (haben keine Reserve) gut zu funktionieren. - Also, endlich gehts weiter.

Doch ich habe den Test nicht mit dem vielen Gepäck gemacht. Bald darauf ein erneutes Krachen, die Felge “eiert” nun richtig. :mad: Mit einem leisen Fluch nehme ich diesmal das ganze Lager heraus und sehe, das auch auf der inneren Seite des Lagers die Abdeckung zermürbt und so gut wie nicht mehr vorhanden ist. Einige Kugeln befinden sich schon zwischen Achse und Lager, wo eigentlich ein Hohlraum sein sollte.

Erneutes Überlegen. Aus dem Schraubgewinde einer Plastikflasche bastle ich eine Abdeckung . Nicht so einfach, denn diese muss genau passen, weil es ja die Innenseite des Lager ist. Doch das größere Problem sind die fehlenden Kugeln. Nur so läuft das Ganze wieder rund. Da fällt mir ein, dass wir ja das defekte Lager von Birgits Steuersatz, das wir in Samara gewechselt haben, aufgehoben haben. Diese Kugeln sind zwar viel kleiner, aber ordentlich gefettet und wieder eingebaut - und es funktioniert!

Erleichtert fahren wir weiter, aber nach 7 Kilometern das nächste unschöne Geräusch: eine Speiche bei meiner hinteren Felge ist gerissen. :evil: Toll, doch weil wir endlich weiterkommen wollen, kleb ich diese nur bei der nächsten Speiche fest. Repariert wird später.

Nach weiteren 7 Kilometern ziehen wieder schwarze Regenwolken auf, so holen wir unsere Regensachen aus der Tasche. Dabei entdecke ich lange Risse bei meinem hinteren Reifen. :cry: Dieser gehört natürlich gleich gewechselt, dann kann ich ihn noch reparieren (wir nähen solche Schäden immer) und wenn wir schon dabei sind, wechseln wir auch gleich die Speiche die zuvor gerissen ist. Und schon reisst die nächste ab. :lol:

An diesem Tag fahren wir stolze :???: 30 Kilometer und sind froh, als wir endlich im Zelt liegen.

Dieser Beitrag wurde vor 4 Jahren 11 Monaten 3 Tagen - am Donnerstag, 1.9.2005 um 15:55 - von Martin erstellt und kann in folgenden Kategorien gefunden werden: Tagebuch. Du kannst die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 verfolgen. Weiter unten kannst du uns einen Kommentar hinterlassen oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.

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